Sehnen sind essenzielle Bindegewebsstrukturen, die Muskeln mit Knochen verbinden und so Bewegung ermöglichen. Bei Überbeanspruchung, Verletzungen oder altersbedingten Veränderungen können sie erkranken. Zwei häufig vorkommende Zustände sind dabei die Tendinitis und die Tendinose, die oft verwechselt werden, aber unterschiedliche Ansätze in Diagnose und Therapie erfordern. Ein klares Verständnis des Unterschieds zwischen diesen beiden Sehnenerkrankungen ist entscheidend für eine effektive Behandlung und eine schnellere Genesung. Falsch diagnostizierte oder falsch behandelte Sehnenprobleme können zu chronischen Schmerzen und Funktionseinschränkungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die wesentlichen Unterschiede, Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.
Unterschied zwischen Tendinitis und Tendinose
Tendinitis: Die akute Entzündung
Die Tendinitis, oft als Sehnenentzündung bezeichnet, ist primär ein Zustand der akuten Entzündung. Sie entsteht typischerweise als Reaktion auf eine plötzliche Überlastung, eine direkte Verletzung oder repetitive, ungewohnte Bewegungen. Bei der Tendinitis kommt es zu Schwellungen, Rötungen, Wärmeentwicklung und oft zu starken, stechenden Schmerzen, die sich bei Bewegung verschlimmern. Das Sehnengewebe selbst zeigt unter dem Mikroskop Anzeichen einer Entzündungsreaktion mit erhöhter Durchblutung und Zellinfiltration.
Tendinose: Die chronische Degeneration
Die Tendinose hingegen ist eine chronische Degeneration des Sehnengewebes, bei der die Entzündungskomponente oft minimal oder gar nicht vorhanden ist. Sie entwickelt sich über einen längeren Zeitraum durch wiederholte Mikrotraumata, Überlastung oder altersbedingte strukturelle Veränderungen. Anstelle von Entzündungszellen finden sich bei der Tendinose degenerative Veränderungen wie Kollagenabbau, feine Risse und eine verdickte, unregelmäßige Sehnenstruktur. Die Schmerzen sind oft dumpfer und chronischer Natur und können sich bei Belastung verschlimmern, bessern sich aber in der Regel in Ruhe.
Symptome und Ursachen im Vergleich
- Tendinitis: Akute, oft stechende Schmerzen; Schwellung, Rötung, Wärme; plötzlicher Beginn nach Überlastung oder Verletzung.
- Tendinose: Dumpfe, chronische Schmerzen; Verhärtung der Sehne; Schmerzen verschlimmern sich bei Belastung, bessern sich in Ruhe; schleichender Beginn.
- Gemeinsame Ursachen: Überbeanspruchung, repetitive Bewegungen, falsche Technik bei sportlichen Aktivitäten oder im Beruf, mangelnde Aufwärmung, altersbedingte Abnutzung.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
- Tendinitis: Ruhigstellung der betroffenen Extremität (z. B. durch Schienen oder Bandagen), Kälteanwendung (Eispackungen), entzündungshemmende Medikamente (NSAR), Physiotherapie zur Reduzierung von Entzündung und Schmerz.
- Tendinose: Der Fokus liegt auf der Belastungssteigerung und dem Neuaufbau des Sehnengewebes. Dazu gehören exzentrisches Training (langsame Dehnung unter Last), Physiotherapie, Stoßwellentherapie (ESWT), Injektionen (z. B. mit Eigenblutplasma) und in seltenen Fällen operative Eingriffe. Vermeidung von entzündungshemmenden Medikamenten, da sie die Heilung des Sehnengewebes behindern können.
Präventive Maßnahmen
Um Sehnenerkrankungen vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen ratsam:
- Regelmäßiges Aufwärmen und Dehnen vor körperlicher Aktivität.
- Langsame Steigerung von Trainingsintensität und -umfang.
- Korrekte Technik bei sportlichen und beruflichen Tätigkeiten.
- Ausreichende Regenerationszeiten zwischen Belastungen.
- Kräftigung der umliegenden Muskulatur zur Entlastung der Sehnen.
- Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes.